Einleitung
Worum geht es in diesem Text?
8 Fragen zum Thema Bindungsangst!
In diesem Text habe ich 8 Fragen für dich zusammengestellt. Diese sind in 3 Kategorien unterteilt:
- Fragen zu eurer Beziehungsdynamik
- Fragen zur Vergangenheit des Partners
- Fragen zum Verhalten des Partners
Bei diesen Fragen geht es um wesentliche Merkmale von Bindungsangst. Zu jeder einzelnen habe ich eine kleine Erklärung geschrieben. Dadurch kannst du deren Kontext besser verstehen. Lies dir jede Frage+Erklärung genau durch und versuche, darüber zu reflektieren. Dann solltest du dir deine eigene Situation genau anschauen.
Ein Weg für dich, um herauszufinden, ob er/sie Bindungsängstler ist!
Bindungsangst kannst du an bestimmten Merkmalen erkennen. Durch meine Fragen werde ich diese Merkmale mit dir durchgehen. Wenn mehrere davon gleichzeitig auftreten, ist eine Bindungsangst wahrscheinlich. Überlege also genau, welche Fragen du mit Ja oder Nein beantworten würdest? Wenn du mehr als die Hälfte der Fragen mit Ja beantworten kannst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er/sie Bindungsangst hat. Beachte allerdings, dass dieser Test kein Ersatz für eine Therapie ist. Zudem können Situationen sehr individuell sein. Selbst wenn alle Punkte zutreffen, muss dein Partner nicht unbedingt Bindungsängstler sein. Aber der Test kann dir als eine grobe Orientierung dienen.
Eine Liste mit 8 Fragen, um zu testen, ob er/sie Bindungsangst hat
Fragen zu eurer Beziehungsdynamik!
Frage 1: Gibt es eine On- Off Dynamik?
Bindungsängstler haben oft eine sogenannte On-Off Dynamik zu ihren Partnern. Das heißt, sobald der Partner vermehrt Nähe sucht, gehen sie in die Distanz. Auf einmal melden sie sich kaum noch, isolieren sich und zweifeln an der Beziehung. Doch wenn das länger anhält, gibt der Partner des Bindungsängstlers irgendwann auf und geht in die Distanz. Dann sucht der Bindungsängstler auf einmal wieder die Nähe zum Partner. Plötzlich schreibt er/sie ununterbrochen, will sich ständig treffen und macht eine Liebesbekundung nach der anderen. Sobald der Partner dann darauf eingeht, beginnt das ganze Spiel von vorne. Habt ihr eine solche On – Off Dynamik in eurer Beziehung?
Frage 2: Lässt mit jedem Stepstone in der Beziehung seine/ihre Anziehung nach?
Bei Bindungsangst tritt ein Anziehungsverlust oft schlagartig auf. Dem können oft sogenannte Stepstones vorangehen. Das sind Schritte, welche die Beziehung in eine tiefere Bindung bringen. Alle gemeinsamen ersten Male sozusagen. So zum Beispiel, wenn ihr zum ersten Mal mehrere Tage am Stück verbringt. Auch, wenn ihr eine erste gemeinsame Reise unternehmt oder die Familie des Partners kennenlernt. Manchmal gerade dann, wenn es besonders gut zwischen euch läuft. Auf einmal wird beiden Partnern bewusst, dass die Beziehung sich gerade vertieft und ernst wird. Schaue zurück auf eure gemeinsame Geschichte. Frage dich, wann genau er/sie häufiger die Distanz gesucht hat. Welche Ereignisse sind dem vorangegangen?
Frage 3: Hast du Verlustängste?
Bindungsängstler suchen sich oft Partner, die Verlustängste haben. Denn trotz ihrer Bindungsangst haben sie ein Bedürfnis nach Nähe. Doch sie wissen aus Erfahrung, dass die meisten Menschen ihr ambivalentes Verhalten nicht lange mitmachen. Allerdings tolerieren verlustängstliche Partner dieses Verhalten eher. Verlustängstler suchen die Nähe, auch wenn sie abgewiesen werden. Sie schaffen es nicht, eine Grenze zu ziehen. Dadurch kann der Bindungsängstler Liebe bekommen, ohne sich in eine feste Beziehung begeben zu müssen. Frage dich, ob du solche verlustängstlichen Muster in dir trägst. Muster, die die Beziehung zu einem Bindungsängstler begünstigen..
Du kannst dich auch fragen, wie es in deinen vergangenen Beziehungen war. Hattest du schon immer die Tendenz deinen Partnern hinterher zu laufen? Zusätzlich solltest du dir deine Kindheit genau anschauen. Frage dich, wie das Verhältnis zu deinen Eltern war. Haben sie dich in deinen Bedürfnissen gesehen und erkannt? Gab es traumatische Ereignisse? In vielen Texten auf meiner Website schreibe ich über das Thema Verlustangst. Schaue dich dort um und entwickle ein Verständnis dafür. Reflektiere für dich, welche Verlustängste du haben könntest.
Frage 4: Gab es plötzlich eine gravierende Veränderung in der Beziehung nach einigen Monaten?
Es gibt eine typische Dynamik in der Beziehung mit einem Bindungsängstler. Nach einigen Monaten tritt meistens eine gravierende Veränderung ein. Die Zuneigung zwischen den Partnern lässt plötzlich schlagartig nach. Der Bindungsängstler scheint dabei das Interesse am Partner komplett zu verlieren. Das kann sogar zum kompletten Verlust der sexuellen Anziehung führen. Diese Dynamik tritt üblicherweise ein, sobald die erste Verliebtheitsphase abklingt. Denn in dieser Phase wird die Bindungsangst noch von den Liebeshormonen aus der Anfangsphase überdeckt.
Die Liebeshormone wirken dabei wie eine Droge. Ängste und Sorgen werden betäubt. Auch Bindungsängste werden erstmal nicht gespürt. Nach einigen Monaten lässt das jedoch nach. Denn der Körper kann den intensiven Zustand der Verliebtheit nicht ewig aufrecht erhalten. Die Liebesgefühle reichen dann nicht mehr aus, um die Bindungsängste zu überdecken. Dadurch wird der Betroffene wellenartig von seiner Bindungsangst überschwemmt. Er/Sie fühlt sich komplett überfordert und sucht die Distanz. Frage dich, ob es eine solche Phase in eurer Beziehung gab?
Fragen zur Vergangenheit des Partners
Frage 5: Hatte er/sie eine traumatische Kindheit?
Bindungsangst entwickelt sich meistens in der Kindheit. Genauer gesagt durch das Bindungsmuster, das man mit den Eltern hatte. Wenn es in dieser Bindung große Unsicherheit gab, manifestiert sie sich im Kind. Ängste und Unsicherheiten werden fortan mit tieferen Bindungen verknüpft. Im späteren Leben beeinflusst das dann die Partnerwahl des Betroffenen. Denn er/sie hat von Kind an gelernt, sich die Bedürfnisse nach Nähe und Liebe selbst zu geben. Diese im Außen zu suchen, fühlt sich dann erstmal bedrohlich und falsch an.
Manchmal verstecken sich krankhafte Bindungsmuster hinter einer schönen, heilen Familienfassade. Doch hinter den Kulissen haben oft traumatische Ereignisse stattgefunden. Das muss nicht immer heißen, dass es körperliche Gewalt gab. Manchmal sind es Verhaltensweisen der Eltern, die über Jahre hinweg Mikrotraumata erzeugen. Wenn zum Beispiel ein Vater das Kind niemals validiert oder eine Mutter dessen Emotionen nicht sieht. Versuche also herauszufinden, wie die Kindheit deines Partners verlaufen ist. Findest du darin viele Anzeichen, die auf die Entwicklung einer Bindungsangst hindeuten?
Frage 6: War er lange Single, bevor ihr euch kennengelernt habt?
Bindungsängstler bleiben oft über Jahre hinweg Single. Oft hangeln sie sich von einer kurzen Affäre zur nächsten. Doch immer dann, wenn es ernst wird, machen sie einen Rückzieher. Auch wenn ihnen das oft gar nicht bewusst ist: Unterbewusst vermeiden sie tiefe, emotionale Nähe. Denn diese birgt immer das Risiko einer seelischen Verletzung. Dieses Weglaufen vor dem Risiko kann oft über Jahre so weitergehen. Besonders, wenn der Bindungsängstler unreflektiert bleibt.
Oft werden Bindungsängstler sehr gut darin zu flirten und kurze Affären zu finden. Denn dadurch können sie trotzdem ein gewisses Maß an emotionaler Nähe erleben. Doch mit der Zeit werden diese Affären immer oberflächlicher und leerer. Die Seele findet darin keine Erfüllung mehr. Irgendwann entsteht dann ein Leidensdruck, der den Bindungsängstler zum Reflektieren bringt. Erst ab diesem Punkt macht es wirklich Sinn, eine langfristige Beziehung mit diesem anzufangen. Versuche also herauszufinden, wie sein/ihr Beziehungsleben bisher verlaufen ist. Frage dich, wann seine letzte tiefere Bindung war und wie diese geendet hat. Überlege zudem genau, wie reflektiert er/sie in der Bindungsangst ist.
Fragen zum Verhalten deines Partners!
Frage 7: Hat er/sie viele Verdrängungsmechanismen in seinem/ihrem Leben?
Oft lösen die traumatischen Erlebnisse aus der Kindheit des Bindungsängstler psychische Probleme aus. Dabei ist Bindungsangst oft nur ein Problem neben vielen anderen. Unbehandelte Depressionen, Angstzustände und Persönlichkeitsstörungen können damit einhergehen. Zum einen durch eine tiefliegende Störung im eigenen Selbstwertgefühl
(Das “Nicht-gesehen werden” in der Kindheit durch die Eltern kann hier die Ursache sein). Zum anderen, da die Bindungsangst aus eigener Kraft nicht mehr überwunden werden kann. Ein unterbewusster Anteil im Betroffenen gibt auf.
Dadurch entwickeln Bindungsängstler oft eine Neigung zum Verdrängen. Abhängigkeiten können hier einen guten Nährboden haben. Alkohol, Drogen, Videospiele und vieles mehr können zum Problem werden. Schaue genau, ob dein Partner solche Verhaltensweisen hat. Frage dich, ob er zu übermäßigem Konsum und Abhängigkeiten neigt. Wie verhält er sich, wenn er diese Abhängigkeiten nicht auslebt? Merkst du dann, dass sich seine Stimmung deutlich verändert? Wichtig wäre auch die Frage, ob er in Therapie ist oder schon einmal eine Therapie gemacht hat. Gibt es bekannte Diagnosen und psychische Erkrankungen in seinem Leben?
Frage 8: Hast du Probleme mit ihm/ihr zu kommunizieren?
In der Beziehung zu einem Bindungsängstler treten häufig Kommunikationsschwierigkeiten auf. Der Bindungsängstler lässt wie gesagt nur schwer Nähe zum Partner zu. Dadurch fällt es ihm/ihr auch schwer, die Nähe zu sich selbst zuzulassen. Die eigenen Bedürfnisse und Gefühle können oft nicht in vollem Umfang wahrgenommen werden. Das führt zu Problemen in der Kommunikation mit dem Partner. Denn was der Bindungsängstler bei sich selbst nicht wahrnimmt/fühlt, kann auch nicht gut kommuniziert werden.
So kann es sein, dass sehr viel passiv/aggressives Verhalten entsteht. Der Betroffene kommuniziert seine Ängste vor Nähe nicht wirklich. Anstelle dessen, kommt er immer wieder zu spät zum Treffen, oder sagt ab. Auch wenn der Partner des Bindungsängstlers das offene Gespräch sucht, weicht der Bindungsängstler aus und versucht abzulenken. So können endlose Streitgespräche entstehen, die am Ende zu nichts führen. Frage dich, ob ähnliche Kommunikationsmuster in der Beziehung zu deinem Partner existieren. Verhält er/sie sich passiv/aggressiv und endet ihr oft in den gleichen, endlosen Streitigkeiten?
