Bindungsangst Typen welche gibt es und die Unterschiede!

Einleitung

Worum geht es in diesem Text?

2 Typen von Bindungsangst

Man kann Bindungsangst im Wesentlichen in 2 Typen unterteilen:

 

  • Aktive Bindungsangst
  • Passive Bindung(Verlustangst)

 

Auf diese beiden Typen möchte ich in folgendem Text näher eingehen. Ich möchte beschreiben, wie sie entstehen können und zu welchem Verhalten sie in Beziehungen führen. Gleichzeitig möchte ich dir einige Tipps geben, wie du Bindungsängste überwinden kannst. Vor allem, falls du gerade selber mit dem Thema zu tun hast. Wie kann eine solche Krise in einer Partnerschaft überwunden werden?

Typ 1 Der aktive Bindungsängstler

Merkmale aktiver Bindungsangst

1. Bindungsangst tritt nach Honeymoon Phase auf

 

Aktive Bindungsangst tritt meistens erst nach einigen Monaten in der Beziehung auf. Denn in der Anfangsphase wird sie noch von starken Liebeshormonen überdeckt. Es fühlt sich an, als hätte man den Partner fürs Leben getroffen. Der Bindungsängstler sendet dementsprechend Signale an sein Gegenüber. Es werden große Hoffnungen geschürt und gemeinsame Pläne gemacht. Doch diese Phase vergeht, sobald die Hormone im Körper nachlassen. Die darunter liegende Bindungsangst bricht aus. Dann fangen die Probleme in der Beziehung an. Der Bindsängstler geht plötzlich in die Distanz und kann die Gefühle aus der Anfangsphase nicht mehr spüren. Meistens dauert es etwa 3-9 Monate, bis diese Phase einsetzt.

2. Widersprüchlichkeit in den Signalen

 

Bei aktiver Bindungsangst gibt es eine starke Widersprüchlichkeit in den Signalen des Betroffenen. So kann es sein, dass der Bindungsängstler an einem Tag die Nähe sucht und sich am nächsten nicht mehr meldet. Das liegt daran, dass der Betroffene widersprüchliche Bedürfnisse hat. Einerseits das tiefe menschliche Grundbedürfnis nach Nähe und Verbundenheit. Andererseits das Grundbedürfnis nach Sicherheit und Autonomie. In gesunden Bindungen sind diese beiden Bedürfnisse miteinander vereinbar. Doch für einen Bindungsängstler ist das schwierig. Denn mit Nähe wird viel Schmerz und Unsicherheit verbunden. Sicherheit und Autonomie gehen verloren.

 

2 Bindungsängstler schalten ihre Gefühle oft ab

 

Bindungsängstler haben oft die Fähigkeit entwickelt, ihre Gefühle abschalten zu können. Dadurch war es in der Kindheit möglich, mit den toxischen Bindungsmustern der Eltern besser umzugehen. Ein erwachsener Mensch kann toxische Bindungen leicht verlassen. Doch als Kind ist das unmöglich mit den Eltern. Denn ein Kind ist existenziell auf die Versorgung durch die Eltern angewiesen. Ohne diese kann es in der Welt nicht überleben. Deshalb muss es neben seiner Autonomie sicherstellen, dass die Verbindung zu den Eltern bestehen bleibt. Deshalb verlässt es die “Realität” innerlich und dissoziiert von der Erfahrung. Dieser Schutzmechanismus wird ebenfalls in späteren Beziehungen unterbewusst angewandt. Betroffene können dann plötzlich kühl und distanziert auf ihre Partner reagieren.

3. Verlust der Anziehung bei aktiver Bindungsangst

 

Bei aktiver Bindungsangst kommt es oft zu einem Verlust der körperlichen und seelischen Anziehung. Auch wenn die Chemie zwischen den Partnern vorher unglaublich gut war. Dabei fängt der Bindungsängstler an, sein Gegenüber in einem verzerrten Licht wahrzunehmen. Meistens werden dabei die toxischen Verhaltensmuster der Eltern in den Partner hinein projiziert. So zum Beispiel, wenn die Eltern sehr kontrollierend waren. Wenn der Partner dann ein Bedürfnis nach Nähe äußert, kann das schnell in den falschen Hals geraten. Auf einmal erinnert sich der Bindungsängstler unterbewusst an die Zwänge aus der Kindheit. Ist der Betroffene unreflektiert, wird die Projektion schlichtweg als Wahrheit akzeptiert. So kann es sein, dass der Bindungsängstler sich plötzlich distanziert und eventuell vom Partner trennt.

 

Die Projektion kann auch auf körperlicher Ebene stattfinden. Bindungsängstler sehen ihre Partner dann oft buchstäblich mit anderen Augen. Plötzlich wird das Gesicht des Gegenübers nicht mehr als hübsch empfunden. Auf einmal wirken die Brüste zu klein oder die Schultern zu schmal. Auch das kann ein unterbewusster Schutzmechanismus sein. Denn dadurch ist es für den Bindungsängstler leichter, sich nicht auf die Beziehung einzulassen. So werden immer mehr Gründe gesucht, dass der/die Partner nicht der/die Richtige ist. Eine Entscheidung zur Trennung wird so leichter gemacht.

Wie entsteht aktive Bindungsangst?

Gestörte Bindungsverhältnisse in der Kindheit

Aktive Bindungsangst entsteht oft durch gestörte Bindungsverhältnisse in der Kindheit. Oft fand dort eine Form von Liebesentzug statt, die Spuren bis ins Erwachsenenalter hinterließ. Bindungsängstler haben sich oft von ihren Eltern nicht gesehen gefühlt. Manchmal waren sie ständiger Kritik oder Manipulation ausgeliefert. Manchmal wurden sie immer wieder ignoriert oder abschätzig behandelt. Dabei erlebten sie einen schmerzhaften Verlust der bedingungslosen Liebe durch die Eltern.

Dadurch kann sich ein Kind in der Nähe zu den Eltern nie ganz sicher fühlen. Es pendelt dann oft zwischen Nähe und Distanz hin und her. Denn zu viel Nähe bedeutet, verletzt zu werden. Dann zieht sich das Kind in seine eigene, sichere Welt zurück. Diesen Schutzmechanismus wendet der Bindungsängstler auch in späteren Beziehungen noch an. Erst, wenn die Sicherheit wiederhergestellt ist, kann das Grundbedürfnis nach Nähe wieder aktiv werden. Dann wird der Kontakt zum Partner wieder gesucht. Doch sobald die Nähe wieder zu groß wird, entsteht erneut eine Bindungsangst. So kann eine On – Off Dynamik entstehen, die große Unsicherheit für den Partner bedeutet.

Was solltest du bei einem aktiven Bindungsängstler tun?

Schritt für Schritt Nähe zulassen

Aktive Bindungsangst lässt sich am besten in der Nähe heilen. Doch die Betroffenen brauchen oft lange Zeit, bis sie sich in der Nähe sicher fühlen. Es ist wichtig, diese immer wieder Schrittweise aufzubauen. Die Betonung liegt hier auf Schrittweise. Denn, wenn zu viel Druck aufgebaut wird, ergreifen sie die Flucht. Ein Teil von ihnen möchte die Nähe um jeden Preis vermeiden. Es ist also gut, wenn sie den Raum haben, immer wieder in die sichere Distanz gehen zu können. Dann können sie sich neu ordnen und wieder offen für die Begegnung werden.

 

Offene Kommunikation

In einer Beziehung sollte zudem immer geschaut werden, was genau die Bindungsangst triggert. Meistens sind es Schritte, die mehr Tiefe und Nähe herstellen. Es ist also immer gut, diese nächsten Schritte im Auge zu behalten. Je länger eine Beziehung anhält, desto intensiver werden diese Schritte. Am Anfang sind es kleine Dinge. So z.B. das Kennenlernen der Eltern oder der erste gemeinsame Urlaub. Später können größere Lebensentscheidungen eine aktive Bindungsangst triggern. So zum Beispiel eine Heirat oder Familiengründung. Bei all diesen Schritten ist es wichtig, offen darüber zu sprechen. Bindungsangst heilt vor allem durch Empathie und Verständnis. Manchen Menschen hilft dabei eine Psychotherapie. Doch viel Heilung kann vor allem innerhalb einer Beziehung stattfinden.

Typ 2 Der passive Bindungsängstler (Verlustangst)

Merkmale von Verlustangst

1. Verlustängstler kontrollieren/klammern

Verlustängstler versuchen, ihre Partner meistens zu kontrollieren. Anders als beim aktiven Bindungsängstler suchen sie Nähe und fühlen sich unsicher in der Distanz. Sie klammern eher und wollen möglichst viel Zeit mit ihrem Partner verbringen. Denn sie brauchen immer wieder die Versicherung, dass sie vom Partner geliebt werden. Oft führt das dazu, dass sich der Partner eingeengt fühlt und umso mehr in die Distanz geht. Das aktiviert den Drang umso mehr, die Situation zu kontrollieren. So kann ein Teufelskreis entstehen, bei dem der Verlustängstler dem Partner immer wieder hinterher rennt.

2. Verlustängstler halten es oft nicht alleine aus

Verlustängstler haben oft Schwierigkeiten, Zeit mit sich alleine zu verbringen. Wenn der Partner gerade nicht verfügbar ist, wird die Verlustangst immer wieder getriggert. Nachdem sie sich von ihrem Partner verabschiedet haben, können sie in ein tiefes emotionales Loch fallen. Diese Erfahrung kennen sie oft aus der Kindheit. Vor allem, wenn durch die Eltern immer wieder eine Vernachlässigung stattgefunden hat. Verlustängstler wurden oft als Kinder mit ihren Gefühlen alleine gelassen. Oft hat ein Elternteil die Verantwortung abgelehnt. Viele Betroffene waren dann lange Zeitabschnitte sich selbst überlassen. Diese Erfahrungen verbindet ein Kind oft mit panischer Angst. Denn es ist existenziell auf die Hilfe der Eltern angewiesen.

3. Verlustängstler passen sich oft an ihre Partner an

Verslustängstler tendieren dazu, sich ihren Partnern anzupassen. Denn für sie ist es das oberste Ziel, die Beziehung aufrechtzuerhalten. Eine Trennung wäre mit einem unerträglichen Gefühl von Verlust verbunden. Deshalb vermeiden sie Konflikte und drücken ihre Bedürfnisse nicht klar aus. Auch, wenn sie von ihren Partnern nicht gut behandelt werden. Sie wollen die Harmonie in der Beziehung um jeden Preis beibehalten. Das bedeutet nicht selten, dass die eigenen Grenzen damit überschritten werden. Oft findet sich dieses Verhalten eher bei Frauen. Denn Anpassung und Selbstaufgabe werden in der Gesellschaft eher beim weiblichen Geschlecht befürwortet. Doch mit der Zeit führt das zu Problemen in der Beziehung. Angestaute Ängste, passive Aggressivität und mentale Probleme können die Folge sein. Oft gibt es dann einen großen Knall, von dem der Partner des Verlustängstlers vollkommen überrascht ist.

Was solltest du bei Verlustangst tun?

Emotionale Unabhängigkeit aufbauen

Für einen Verlustängstler ist es wichtig, in die Unabhängigkeit zu kommen. Das heißt, der Betroffene sollte lernen, gut mit sich selbst alleine sein zu können. So sollte geschaut werden, welche Gefühle im Alleinsein immer wieder hochkommen. Oft sind es traumatische Erfahrungen aus der Vergangenheit. Doch meistens sind diese tief im Unterbewusstsein verschüttet. Der Betroffene nimmt sie an der Oberfläche wahr und projiziert sie in den Partner hinein.

Die traumatische Erfahrung des Verlassenwerdens heilen

Deshalb ist es wichtig, die eigentlichen Kernerfahrungen aus der Vergangenheit wieder hochzuholen. Ein erster wichtiger Schritt ist es dann, die Ängste wieder mit den traumatischen Erfahrungen zu verknüpfen. Oft hilft dabei eine psychologische Beratung. Doch es gibt eine Menge praktischer Übungen, die der Betroffene selber machen kann. Schaue dich auf meiner Website um. Dort findest du eine Menge Tipps zu dem Thema.