Einleitung
Worum geht es in diesem Text?
2 Ursachen für Bindungsangst nach Jahren
In einzelnen Fällen kann Bindungsangst erst nach vielen Jahren in der Beziehung auftreten. Das kann verschiedene Ursachen haben. Auf die 2 häufigsten möchte ich in diesem Text näher eingehen. Diese sind mir in meiner Praxis als Coach immer wieder aufgefallen.
- Ursache 1: Die Bindungsangst wird durch einen Stepstone getriggert
- Ursache 2: Die Bindungsangst wird durch äußere Umstände getriggert
Zudem werde ich dir zu jeder Ursache hilfreiche Tipps geben. Was solltet ihr beachten, damit die Bindungsangst eure Beziehung nicht zerstört?
Wann kann Bindungsangst auch nach Jahren in einer Beziehung auftreten?
Du solltest dir eine Frage stellen!
Welche Dynamik ist jetzt da, die vorher nicht da war?
Es kann sein, dass die Bindungsangst am Anfang einer Beziehung noch nicht getriggert wird. Denn bestimmte individuelle Trigger sind noch nicht ausgelöst. Jeder Bindungsängstler ist dabei ein wenig anders. Wir müssen uns also die Situation in der Beziehung genau anschauen. Es ist wichtig zu identifizieren, was genau sich verändert hat. Welche Ursache/Dynamik ist jetzt da, die vorher nicht da war?
Ursache 1: Die Bindungsangst wird durch einen Stepstone getriggert
Was sind Stepstones?
Ein sehr häufiger Auslöser für Bindungsangst ist ein bevorstehender Stepstone in der Beziehung. Stepstones sind neue Schritte und Veränderungen, die mehr Nähe und Tiefe zwischen den Partnern erzeugen. Diese bringen oft ein höheres Commitment mit sich. Sie treten immer wieder vom Anfang bis zum Ende einer Beziehung auf. Dabei nehmen sie üblicherweise an Intensität zu. Am Anfang einer Beziehung lernt man zum Beispiel Freunde/Familie des Partners kennen. Dadurch wird man langsam Teil einer neuen Familie und bindet sich enger. Man ist aufgeregt und nervös und fragt sich, ob man von der Familie angenommen wird. Doch dieser Schritt verändert die Bindung erstmal noch nicht grundlegend. Daher ist die Intensität noch schwach.
Stepstones mit erhöhter Intensität kommen erst später in einer Beziehung!
Doch im Laufe der Beziehung kommen weitere Stepstones hinzu. Ab einem gewissen Punkt ist man bestimmte Routinen gewöhnt. Man fährt zum ersten Mal in den Urlaub oder denkt daran, zusammenzuziehen. All das führt im Kleinen oder Großen zum Aufbau eines gemeinsamen Lebens. Dabei schwingt auch immer eine gewisse Unsicherheit mit. Nun ist es so, dass bestimmte Stepstones einen gravierenden Unterschied in der Intensität mit sich bringen. So zum Beispiel, wenn man heiratet oder eine Familie gründen will. Denn damit hebt sich das Commitment in der Beziehung auf ein neues Level. Dann erklärt man sich bereit, eine Verbundenheit für den Rest des Lebens einzugehen. Das würde die Beziehung um ein Vielfaches vertiefen.
Gerade nach langjähriger Beziehung können diese Stepstones eine lang verborgene Bindungsangst auslösen. Nehmen wir das Beispiel der Familiengründung. Oft wird dadurch eine lähmende Bindungsangst getriggert. Denn plötzlich erinnert sich der Betroffene an die eigene Kindheit. Die Fehler, welche die eigenen Eltern machten und die damit verbundenen Traumata, kommen plötzlich hoch. Auf einmal steht eine riesige Verantwortung im Raum, diese Fehler nicht zu wiederholen. All das wird dann mit der jetzigen Beziehung in Verbindung gebracht.
Wie solltet ihr reagieren, wenn ein Stepstone Bindungsangst auslöst?
Schaue dann also genau, ob solch ein Stepstone in eurer Beziehung ansteht. Hier ist es erstmal wichtig, den Druck aus der Situation zu nehmen. Vertagt den Stepstone erst einmal auf einen späteren Zeitpunkt, um etwas zu reflektieren. Fragt euch, ob ihr diesen Schritt wirklich gehen wollt. Nehmen wir zum Beispiel die Situation, dass ihr zusammen ziehen wollt. In manchen Beziehungen kann das gut sein. In anderen führt es eher zu einer Katastrophe. Vor allem bei Bindungsangst, da in einer gemeinsamen Wohnung oft der Raum fehlt, sich zurückzuziehen. Dann ist es vielleicht besser, die Beziehung in getrennten Wohnungen weiter zu führen. Ich habe in meiner Laufbahn Ehepartner kennengelernt, die nicht zusammen wohnten. Dennoch waren sie glücklich miteinander.
Versucht, viel miteinander zu kommunizieren!
Zudem solltet ihr viel über den nächsten Stepstone reden. Manchmal stellt sich heraus, dass nur ein Partner in der Beziehung diesen Schritt wirklich will. Dabei ist der Andere für diesen noch gar nicht bereit. Fragt euch, ob dadurch eine Bindungsangst ausgelöst wird. Beide Partner sollten in erster Linie ihre Gefühle mitteilen dürfen. Die Ängste sollten validiert, verstanden und gehört werden. Das ist der erste Schritt, um sie zu überwinden. Dann solltet ihr euch dem Stepstone in kleinen Schritten annähern.
Im Beispiel der gemeinsamen Wohnung, könntet ihr erst einmal eine Zwischenmiete für einen Monat ausprobieren. Schaut erstmal wie sich das anfühlt. Oder ihr könntet zusammen für länger verreisen. Das gibt oft viel Aufschluss darüber, ob ihr es auf engem Raum lange zusammen aushaltet. Falls ihr merkt, dass es nicht der richtige Schritt ist, könnt ihr den Stepstone gemeinsam loslassen. Oder vielleicht findet ihr gemeinsam heraus, dass die anfängliche Angst größer war als der eigentliche Schritt.
Ursache 2: Die Bindungsangst wird durch äußere Umstände getriggert
Kleine Dinge können Großes in uns auslösen!
Der Trigger für eine Bindungsangst muss nicht immer innerhalb der Beziehung liegen. Auch äußere Umstände können Bindungsängste triggern. Manchmal sind es Dinge, die wir gar nicht so sehr auf dem Schirm haben. So können kleine Dinge Großes in uns auslösen. Manchmal ist es ein Film, den wir gerade im Kino gesehen haben. Manchmal das Gespräch mit einem Fremden. Manchmal vielleicht auch nur eine Erinnerung aus der Kindheit, die uns plötzlich wieder bewusst wird. Häufig triggern uns auch unsere Verwandten. Denn mit diesen teilen wir gemeinsame Erinnerungen aus der Kindheit. Wenn es in der Vergangenheit bestimmte Probleme gab, können diese dann wieder hochkommen.
Wie mich meine Familienbesuche immer wieder getriggert haben.
Ich kenne es aus meiner eigenen Beziehung. Ich war auch einmal Bindungsängstler. Immer wenn ich zu Besuch bei meiner Mutter war, distanzierte ich mich danach von meiner Freundin. Dabei hatte ich dort eigentlich eine gute Zeit. Doch plötzlich saß ich im Zug auf dem Heimweg und spürte eine überwältigende Traurigkeit. Auf einmal fing ich an, meiner Freundin aus dem Weg zu gehen. Heute weiß ich, dass eine Bindungsangst in mir hoch kam. Der Trigger lag also nicht in meiner Beziehung selbst. Doch die Gefühle projizierten sich in meine Freundin. Am Anfang fragten wir uns, woher mein plötzliches Verhalten kam. Erst das gemeinsame Gespräch brachte uns die Erleuchtung.
Versucht die Trigger zu identifizieren und zu kommunizieren!
Ihr solltet also versuchen, gemeinsam dieses Muster zu verstehen. Dafür ist es wichtig, ein Bewusstsein für die Trigger zu schaffen. Schaut euch immer genau an, was stattgefunden hat, bevor Bindungsangst aufkam. Welche Menschen habt ihr getroffen? Was hat euch bewegt und wie hat sich die Stimmung dadurch verändert? Im gemeinsamen Gespräch stellt sich oft schnell heraus, woher die Bindungsangst eigentlich kam. Dann ist es wichtig, dass der Bindungsängstler den Raum bekommt, über seine Erfahrung zu sprechen. In meinem Fall konnten wir die Situation dadurch lösen, dass ich die Traurigkeit vor meiner Freundin ausdrücken konnte. Dadurch habe ich mit der Zeit sogar die Beziehung zu meiner Mutter heilen können.
Was du sonst noch über Bindungsangst wissen solltest!
Bindungsangst tritt normalerweise am Anfang der Beziehung auf
Bindungsangst wird normalerweise in der Anfangsphase einer Beziehung ausgelöst. Meistens etwa 3-9 Monate nach der Kennenlernphase. In dieser Phase werden die Ängste noch stark von den Liebeshormonen überdeckt. Doch sobald die Hormone nachlassen, kommt die darunter liegende Bindungsangst hervor. Meistens findet dann ein Beziehungsverlust beim Bindungsängstler statt und er/sie geht in die Distanz.
Bindungsangst muss nicht immer zum Ende der Beziehung führen!
Bei Bindungsangst gibt es verschiedene Möglichkeiten. Manchmal geht die Beziehung kaputt, da die Bindungsangst nicht kommuniziert und bearbeitet wird. Vor allem wenn einer oder beide Partner unreflektiert sind. Oft wird der Anziehungsverlust dann als Zeichen gesehen, dass man nicht füreinander bestimmt ist. Manchmal hält die Beziehung dann noch lange an, ist aber toxisch für beide Partner. Solche sogenannten On-Off-Beziehungen können sich über mehrere Jahre hinziehen. Ein anderer Ausgang ist, dass beide Partner lernen, mit der Bindungsangst zu arbeiten. Dann kann daraus eine Möglichkeit werden, die toxischen Bindungsmuster zu heilen.
Beziehungsprobleme, die oft mit Bindungsangst verwechselt werden!
Ihr habt euch auseinander entwickelt
Wenn du gerade Bindungsangst bei deinem Partner vermutest, musst du eine Sache beachten. Es ist wichtig, dass du andere Gründe ausschließt, die zu Problemen in eurer Beziehung führen könnten. Manchmal haben sich zwei Menschen einfach auseinander entwickelt. Beziehungen sind nicht immer dazu gemacht, ein Leben lang zu bleiben. Sie unterliegen immer den Gesetzen der Vergänglichkeit, wie alles im Leben.
Dinge verändern sich. Vielleicht wollt ihr einfach mittlerweile unterschiedliche Beziehungen. Vielleicht habt ihr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie ihr euer Leben individuell gestalten wollt. In diesem Fall macht es keinen Sinn, an der Vergangenheit festzuhalten. Auch wenn es weh tut. Ein gemeinsamer Weg würde euch dann mehr schaden als nützen. Versuche also genau herauszufinden, ob du deine Zukunft wirklich noch mit deinem jetzigen Partner siehst.
Affäre
Manchmal kann es sein, dass sich der Partner in eine andere Person verliebt. Probleme in eurer Beziehung können dafür die Ursache sein. Langfristig geht es also darum, diese Probleme anzugehen. Vielleicht durch eine Paartherapie oder eine andere bewusste Arbeit an eurer Beziehung. Allerdings ist es im Moment der Affäre ratsam, erst einmal die akute Krise anzugehen. Du solltest dann erst einmal in die Distanz gehen, bevor du irgendetwas weiteres versuchst. Denn die Gefühle deines Partners sind erstmal für die Affäre stärker als für dich. Erst später, wenn die Gefühle nachlassen, macht es Sinn eine Rückeroberung zu starten.
