Einleitung
Worum geht es in diesem Text?
Die Entstehung von Bindungsangst!
Im ersten Abschnitt dieses Textes möchte ich auf die Entstehung von Bindungsangst eingehen. Denn erst wenn wir die Ursache von Bindungsangst verstehen, können wir sie auch heilen. Ich werde darauf eingehen, wie Bindungsangst schon in der frühen Kindheit anfängt. Das wird dir helfen, Bindungsängstler und ihr Verhalten empathisch nachzuvollziehen.
Was du tun kannst, wenn der Bindungsängstler seine Gefühle verliert
Im zweiten Abschnitt des Textes möchte ich dir 3 praktische Tipps mitgeben. Diese werden dir helfen, falls dein Partner Bindungsängstler ist. Ich werde darauf eingehen, was du tun solltest, falls er in die Distanz geht. Wie kannst du seine Gefühle dann wieder entfachen und eine glückliche Beziehung mit ihm führen?
Wie entsteht eine Bindungsangst?
Das innere Kind als Ursache von Bindungsangst
Die Bindungsmuster aus der Kindheit werden immer wieder getriggert!
Bindungsangst hat seine Ursache meistens in der Kindheit. Oft sind traumatische Erfahrungen durch die Erziehung der Eltern die Ursache. Dabei spielt das Bindungsmuster zwischen Eltern und Kind eine wesentliche Rolle. Diese Muster werden dann meistens Jahre später in Beziehungen wieder getriggert. Dieselben Verhaltensweisen und Strategien werden angewandt. Erst wenn eine neue, gesunde Bindungserfahrung diese Muster überschreibt, wird die Bindungsangst geheilt.
Warum ist die Bindung zu den Eltern so prägend?
Unsere Eltern sind die erste zwischenmenschliche Begegnung, die wir auf der Welt haben. Diese geht mit sehr tiefen Emotionen einher. Es wird ein unglaublich intensives Band von Liebe und Zuneigung zwischen Eltern und Kind geknüpft. Zudem kann ein Kind in der Welt nicht alleine überleben. Die Eltern bieten Schutz vor den Gefahren der Welt, versorgen es mit Nahrung und bieten ein Dach über dem Kopf. Das Kind lernt die meisten Verhaltensweisen durch die Imitation der Eltern. So zum Beispiel Sprechen oder Laufen
Dadurch sind wir als Kinder existenziell extrem abhängig von unseren Eltern. Ihre Liebe und Zuneigung funktioniert dabei wie ein Sicherheitsanker. Wenn diese sichergestellt sind, erleben wir Geborgenheit und können uns entfalten. Wenn es allerdings eine Störung in dieser Verbindung gibt, erleben wir starke existenzielle Ängste! Je nach Ausprägung kann das zu traumatischen Erfahrungen führen. Diese können sogar bis in unser Babyalter zurückreichen.
Wann entsteht eine Bindungsangst in der Eltern – Kind Bindung?
Wenn wir als Kinder nicht in unserem Wesen geliebt werden!
Neben der existenziellen Sicherheit, wollen Kinder von ihren Eltern bedingungslos geliebt werden. Das bedeutet, im eigenen Wesen erkannt und validiert zu werden. Jedes Kind kommt mit einem solchen, eigenen Wesen auf die Welt. Ein Problem entsteht dann, wenn dieses Wesen nicht in der Welt manifestiert werden kann. Denn manchmal widersprechen Anteile unseres Wesens den Vorstellungen der Eltern/unserer Umwelt.
Dann können wir nicht wir selbst sein und uns gleichzeitig sicher in der Welt fühlen. Wir fangen dann an, uns für die Vorstellungen und Erwartungen unserer Eltern zu verstellen. Denn die sichere Bindung zu unseren Eltern geht immer vor. Unsere menschliche Psyche ist dabei sehr anpassungsfähig. Die Entfaltung des eigenen Wesens wird dann auf die spätere Zukunft verschoben.
Wie sich eine gestörte Eltern – Kind Bindung auf Babys auswirken kann
Ein gutes Beispiel ist das Schreien eines Babys. Ein Baby schreit, um damit seine grundlegenden Bedürfnisse auszudrücken. Es hat Hunger, muss gewindelt werden, oder empfindet eine andere Art von Leidensdruck. Es ist dabei auf die Hilfe der Erwachsenen angewiesen. Es kann sich dieses Bedürfnis ja nicht selbst erfüllen. Wenn die Eltern nicht darauf reagieren, wird das Kind in Panik ausbrechen. Es kann eine tiefe, existenzielle Todesangst gespürt werden. Denn die Nicht- Erfüllung der Grundbedürfnisse führt in letzter Konsequenz zum Tod.
Wenn weiterhin nichts passiert, wird es aufhören zu schreien und in einen Überlebensmodus wechseln. In diesem schaltet das Nervensystem des Babys auf eine Notfallreserve um. Es wird dann nicht mehr schreien, um Energie für das Überleben zu sparen. Erst wenn die Eltern das Kind wieder versorgen, schaltet das Nervensystem wieder in einen ruhigen Modus um. Wenn das Baby immer wieder sich selbst überlassen ist, kann das eine unglaublich traumatisierende Erfahrung sein. Für das Baby geht es dabei buchstäblich um Leben oder Tod.
3 Tipp: Was du tun kannst, wenn der Bindungsängstler seine Gefühle verloren hat!
Tipp 1 Schaue, ob der Bindungsängstler seine Bindungsangst reflektiert hat
Unreflektierte Bindungsängstler nehmen oft nur die Symptome der Bindungsangst wahr
Um zu erkennen, ob der Bindungsängstler reflektiert ist, solltest du zuerst die Symptome der Bindungsangst verstehen. Bindungsangst tritt sehr unbewusst auf. Die Betroffenen merken oft gar nicht, was mit ihnen passiert. Oft nehmen sie nur die Symptome der Bindungsangst im Vordergrund wahr. Diese können sehr irreführend sein. So wird zum Beispiel der Partner plötzlich als unattraktiv empfunden. Die gleiche Person, zu der man sich vorher noch hingezogen gefühlt hat. Es gibt plötzlich Eigenschaften am Körper, die unglaublich stören. Die Nase scheint zu groß oder die Brüste zu klein.
Auch am Charakter des Gegenübers werden plötzlich überall Fehler und Makel gesehen. Der Bindungsängstler stört sich plötzlich an Gesten, Aussagen oder Verhaltensweisen des Anderen. Eine kleine Sache wird plötzlich zum Problem. Vor allem dann, wenn der andere Partner die Nähe sucht. Das Gegenüber wird dann in einem verzerrten Licht gesehen. Dem Partner wird so schnell ein Stempel als narzisstisch, toxisch oder kontrollsüchtig verpasst.
Dabei ist dem unreflektierten Bindungsängstler nicht bewusst, dass er sein Gegenüber verzerrt wahrnimmt. Für ihn sind die Fehler und Makel des Partners nur Gründe, sich nicht auf eine Beziehung einzulassen. Deshalb macht eine Beziehung mit einem unreflektierten Bindungsängstler oft wenig Sinn. Er wird sich meistens distanzieren, sobald die Symptome der Bindungsangst auftreten. Doch um Bindungsangst zu heilen, ist es wichtig, genau dann in der Nähe zu bleiben. Auch dann, wenn die Bindungsangst gerade sehr aktiv ist. Mit einem unreflektierten Bindungsängstler ist das nicht möglich.
Reflektierte Bindungsängstler verstehen, dass ihre Ängste die Wahrnehmung verzerren
Ein reflektierter Bindungsängstler hingegen versteht die Mechanismen seiner Bindungsangst. Er versteht, dass sein Unterbewusstsein dabei Ängste projiziert. Ängste, die in seiner Kindheit entstanden sind. Diese manifestieren sich im Hier und Jetzt in einer verzerrten Wahrnehmung. Bindungsangst funktioniert dabei wie eine Lupe. Alle negativen Eigenschaften des Gegenübers werden vergrößert und als dramatisch empfunden. Doch ein reflektierter Bindungsängstler wird sich davon nicht beirren lassen.
Er wird sich mit den Gefühlen hinter seiner Bindungsangst auseinandersetzen wollen. Er wird bewusst daran arbeiten, diese Angst zu überwinden. Er wird offen über seine Gefühle mit dir sprechen wollen. Dabei wird deine Sichtweise zu seiner Bindungsangst aktiv gesucht.
Mit einem reflektierten Bindungsängstler macht es deshalb mehr Sinn, eine Beziehung anzufangen.
Ihr könnt so gemeinsam an euren Themen arbeiten. Ihr könnt euch über eure Ängste austauschen und füreinander da sein. Schaue deshalb genau, wo er steht. Ist er reflektiert oder nicht? Natürlich solltest du nicht mit perfekten Erwartungen an ihn herantreten. Es geht eher darum, in welche Richtung er sich bewegt. Hat er seine Bindungsangst erkannt und ist er motiviert daran zu arbeiten?
Tipp 2 Führe den Bindungsängstler in seine Verlustängste
Hinter jeder Bindungsangst steckt im Kern eine Verlustangst!
Wie ich oben beschrieb, entsteht Bindungsangst dann, wenn ein Kind von den Eltern vernachlässigt wird. Also immer dann, wenn es einen Verlust von Liebe und Geborgenheit gibt. Die Angst, dass dieser Verlust erneut eintritt, ist im Kern der Antrieb einer Bindungsangst. Diese führt den Bindungsängstler dazu, sich nicht auf Beziehungen einzulassen. Denn in dem er sich nicht bindet, gibt es auch keine Liebe zu verlieren.
Übe keinen Druck auf den Bindungsängstler aus!
Es braucht Zeit, bis der Bindungsängstler bereit ist, seine Verlustängste zu fühlen. Es braucht Zeit, bis er sie verstehen kann. Oft wurden diese Gefühle über Jahre verdrängt. Sein Herz muss für diesen Schritt bereit sein. Denn diese Gefühle sind oft sehr schmerzhaft und gehen tief. Wenn du aber immer wieder Druck auf ihn ausübst, wirst du am Ende das Gegenteil erzeugen. Je mehr Druck du ausübst, desto weiter wird er sich zurückziehen. Er muss sich von alleine dazu entscheiden, wieder auf dich zuzugehen. Deshalb ist es wichtig, dass du in die Distanz gehst und eine Grenze ziehst.
Gehe in die Distanz, um seine Verlustangst zu aktivieren!
Durch deine Distanz wird der Bindungsängstler dann merken, dass er dich verlieren kann. Denn sobald sich seine Bindungsangst beruhigt hat, wird er seine Liebe zu dir wieder spüren. Du wirst dann allerdings in der Distanz sein. Dadurch wird er verstehen, dass seine Bindungsangst Konsequenzen hat. Er wird anfangen, den Verlust zu fühlen, der ursprünglich hinter seiner Bindungsangst steckt. Wenn er bereit ist, sich diesen Gefühlen zu stellen, ist er auch bereit für eine Beziehung. Dann könnt ihr gemeinsam daran arbeiten.
Tipp 3 Wie du ihm helfen kannst seinen Weg aus der Bindungsangst zu finden
Begegne ihm emphatisch, sobald er sich öffnet!
Die Beziehung mit dir ist eine wertvolle Möglichkeit für den Bindungsängstler. Dadurch kann er lernen, dass zwischenmenschliche Nähe nicht immer mit Gefahr und Angst verbunden sein muss. Wenn er offen für einen Heilungsprozess ist, kannst du ihm dabei helfen. Du kannst dazu beitragen, dass er seinen Weg aus der Bindungsangst herausfindet. Du kannst eine helfende Hand an seiner Seite sein.
Dafür solltest du ihm immer wieder den Raum geben, damit er seine Gefühle reflektieren kann. Warte dann, bis er von alleine wieder auf dich zukommt. Immer wenn er sich öffnet, solltest du Empathie und Verständnis zeigen. Immer dann gehst du einen Schritt auf ihn zu. Sobald er dich jedoch kritisiert und verurteilt, gehst du in die Distanz.
Die Bindungsangst gemeinsam zu überwinden kann eine starke Beziehung aufbauen
Wenn ihr es schafft, über die Bindungsangst Empathie und Nähe zu entwickeln, kann eine wundervolle, tiefe Beziehung entstehen. Vor allem, wenn er bereit ist, mit dir offen und ehrlich zu kommunizieren. Dabei ist es wichtig, dass seine Gefühle von dir angenommen und validiert werden. Auch wenn es manchmal wehtut. So zum Beispiel wenn er sagt:” ich kann meine Gefühle gerade nicht wahrnehmen”. So kann er die Erfahrung machen, dass er in seinem Wesen gesehen und geliebt werden kann.
