Einleitung
Worum geht es in diesem Text?
Erster Abschnitt
Im ersten Abschnitt möchte ich darauf eingehen, wie Bindungsangst funktioniert. Ich verrate dir, warum sie häufiger bei Männern auftritt als bei Frauen. Denn das hat sich durch meine jahrelange Arbeit als Coach immer wieder gezeigt. Zusätzlich möchte ich dir ein Grundverständnis der Mechanismen von Bindungsangst geben. Das wird dir helfen, deine Situation besser zu verstehen.
Zweiter Abschnitt
Im zweiten Abschnitt möchte ich dir eine konkrete Anleitung in 2 Schritten an die Hand geben. Vielleicht steckst du gerade selbst in einer Bindungsangst-Dynamik fest. Entweder, weil du selbst Bindungsängstler bist, oder weil dein Partner Bindungsangst hat. Wie kannst du die Anziehung zwischen euch wiederherstellen? Und wie kannst du die Dynamik der Bindungsangst durchbrechen?
Warum Bindungsangst häufiger bei Männern auftritt
2 Gründe warum Bindungsangst häufiger bei Männern auftritt
Bevor es losgeht, eine kleine Exkursion in die Wissenschaft. Ich habe mich über die Ursachen von Bindungsangst reichhaltig belesen. Es hat mich immer gewundert, warum ich in meiner Laufbahn als Coach hauptsächlich Männer mit Bindungsangst vorfand. Mein Rat wurde oft von den Partnerinnen dieser Männer gesucht. Ich fragte mich dann immer, warum Bindungsangst bei Männern häufiger vorkommt. Bei meiner Recherche habe ich zwei wesentliche Antworten gefunden.
Die Sozialisation von Männern
Die Sozialisation in unserer Gesellschaft trägt erheblich dazu bei, dass Bindungsangst häufiger bei Männern auftritt. Männer werden eher dazu erzogen, ihre Gefühle zu unterdrücken. Das beginnt schon in der frühen Kindheit. Wenn ein Junge sich beim Spielen verletzt, wird er dazu angehalten, nicht zu weinen. Jeder Junge hat dann den Satz schon einmal gehört: “Ein Indianer kennt keinen Schmerz”. Dadurch wird das Kind validiert, sobald es die eigenen Schmerzen ausblendet. Dieses Verhalten überträgt es auch auf emotionale Wunden. Es teilt sich nicht mit und schluckt den Schmerz herunter. Doch durch diese Verdrängung verlangsamt sich der Heilungsprozess
Was hat das mit Bindungsangst zu tun?
Bindungsangst entsteht durch tiefe, emotionale Wunden. Wenn diese nicht verheilen, können sie chronisch werden. Diese Wunden entstehen meistens in der Kindheit, zwischen dem Babyalter und der Pubertät. Dabei gibt es eine Störung in der Bindung zu den Eltern/Bezugspersonen. So zum Beispiel ein Vertrauensbruch, eine emotionale Vernachlässigung oder irgendeine andere Form von Liebesentzug. Meistens in kleinen Dosen über Jahre hinweg.
Die Aufgabe des Mannes in der Geschichte
In der Geschichte der Menschheit spielt die Unterdrückung der männlichen Empathie eine Rolle. Denn es gab für Männer schon immer bestimmte Aufgaben, die das mit sich brachten. So zum Beispiel Kämpfe mit anderen Stämmen, die Jagd nach Tieren oder das Beschützen des Nachwuchses etc. Dabei war es in vielen Situationen für Männer von Vorteil, die Empathie abzuspalten. Um zu kämpfen, oder gar ein anderes Lebewesen zu töten, braucht es ein gewisses Maß an “Gefühlstaubheit”.
Der Mensch war früher dauerhaft mit existenziellen Gefahren konfrontiert. Kämpferische Auseinandersetzungen gehörten zum Alltag. Männer waren die Verteidigungsgrundlage jedes Stammes. Ihre körperliche Überlegenheit gegenüber dem weiblichen Geschlecht legte es nah. Dadurch wurden sie für das Kämpfen und Töten immer wieder validiert. Der Krieger mit den meisten Kerben im Axtgriff, bekam den höchsten sozialen Status.
Doch die Abspaltung der Empathie hatte Folgen für das männliche Geschlecht. Denn Empathie ist nicht nur notwendig, um die Emotionen anderer Menschen wahrzunehmen. Auch die eigene emotionale Welt wird dadurch im Gleichgewicht gehalten. So heilen emotionale Wunden nur durch die bewusste Wahrnehmung und das Akzeptieren des Schmerzes. Dieser Schritt ist bei vielen Männern gestört. Auch dadurch findet Bindungsangst einen besseren Nährboden in der Psyche von Männern.
Mechanismen der Bindungsangst bei Männern
Wie wirken sich die Bindungsängste bei Männern in Partnerschaften aus?
Warum meidet ein Bindungsängstler Bindungen?
Ein Bindungsängstler meidet Bindungen als Schutzmechanismus vor der Nähe zu einem Partner. Denn Nähe ist immer mit dem Risiko einer seelischen Verletzung verbunden. Der Bindungsängstler hat damit in seiner Vergangenheit sehr schmerzhafte Erfahrungen gemacht. Diese Erfahrungen haben sich unterbewusst gespeichert und halten ihn jetzt im Momentum der Angst. Immer wenn er Bindungen aufbaut, wird die Angst vor weiteren Verletzungen getriggert.
Der Partner wird verzerrt wahrgenommen
Bindungsängste funktionieren genauso wie alle anderen Ängste auch. Sie sind ein Warnmechanismus unseres menschlichen Organismus. Ängste sollen uns vor Gefahren schützen. Sobald wir in eine Situation geraten, die als potenziell gefährlich gilt, werden sie aktiviert. Dabei verändert sich unsere Denkweise. Plötzlich gehen wir alle möglichen Ausgänge einer Situation im Kopf durch. Nehmen wir zum Beispiel an, du bist in einer Bank, während sie überfallen wird. Plötzlich fängst du an, alle Notausgänge im Kopf zu zählen. Du gehst in deiner Vorstellung alle worst case Szenarios durch. Dadurch bist du im Ernstfall vorbereitet und kannst reagieren.
Genauso verändert sich die Denkweise auch bei Bindungsängsten. Sobald sich eine Bindung vertieft, wird eine verzerrte Wahrnehmung aktiv. Unterbewusst sieht der Betroffene dann plötzlich nur das Schlechteste im Partner. Sowohl auf der körperlichen, als auch auf der charakterlichen Ebene. Plötzlich fallen immer mehr störende Kleinigkeiten auf. Die Nase erscheint zu lang oder die Brüste zu klein. Oft sind es auch Makel im Charakter des Gegenübers, die plötzlich in den Vordergrund treten. Viele meiner Klienten mit Bindungsangst berichten davon, wie sie die Persönlichkeit ihres Partners plötzlich in einem negativen Licht sahen. Plötzlich befanden sie ihr Gegenüber als narzisstisch, kontrollsüchtig oder mental instabil.
2 Schritte, die du jetzt gehen solltest, wenn er Bindungsängstler ist
Schritt 1 Gehe in die Distanz
Gleiche das emotionale Investment zwischen euch aus
Nehmen wir an, du bist gerade in einer Bindung mit einem Bindungsängstler. Dann steckt ihr gerade wahrscheinlich in einer Bindungsangst Dynamik fest. Das heißt, dass das emotionale Investment in eurer Beziehung nicht ausbalanciert ist. Du suchst immer wieder seine Aufmerksamkeit, doch er wendet sich ab. Du schreibst ihm und er braucht ewig, um dir zu antworten. Du bist bereit dich voll und ganz auf die Bindung einzulassen. Doch sein Commitment zur Beziehung ist ständig zweifelhaft. Dann ist es an der Zeit, in die Distanz zu gehen!
2 Gründe, warum du in die Distanz gehen solltest!
Um die Beziehungsdynamik der Bindungsangst zu durchbrechen, solltest du an deinem eigenen Verhalten etwas ändern. Anstatt ihm weiter hinterher zu jagen, solltest du in die Distanz gehen. Das solltest du hauptsächlich aus zwei Gründen tun. Erstens, um Zeit zu haben, an deinen eigenen Themen zu arbeiten. Es ist sicher kein Zufall, dass du dir einen Bindungsängstler ausgesucht hast. Bestimmte unterbewusste Verhaltensmuster haben ihn in dein Leben gezogen. Wenn du an diesen Mustern arbeitest, kannst du auch etwas an eurer Beziehungsdynamik ändern.
Zweitens solltest du in die Distanz gehen, um keine weitere Bindungsangst in ihm zu triggern. Denn Bindungsangst wird durch Nähe getriggert. Ein Bindungsängstler braucht immer wieder Zeit, um sich zurückzuziehen. Denn so kann er sich von seinen Ängsten erholen und neu ordnen. Erst dann kann er sich wieder in die Nähe begeben. Für einen Bindungsängstler kostet das am Anfang viel Kraft.
Was passiert im Bindungsängstler sobald du in die Distanz gehst?
Er wird austesten, ob du wirklich emotional unabhängig bist!
Erstmal wird er sich wundern, dass du dich plötzlich nicht mehr meldest. Denn er ist es gewohnt, dass du von alleine auf ihn zugehst. Er ist es gewohnt, dass du emotional mehr in die Bindung investierst als er. Doch jetzt signalisiert du ihm plötzlich etwas Neues. Du zeigst ihm, dass du emotional unabhängig bist. Er wird erstmal austesten, ob das auch wirklich stimmt oder ob du es nur vorgibst. Er wird dir schreiben und deine Reaktion abwarten.
Seine Bindungsangst wird weniger
In dieser Phase ist es wichtig, dass du standhaft bleibst. Denn nur dann wird der Bindungsängstler spüren, dass er dich verlieren kann. Vor allem, wenn du erstmal nicht auf seine Annäherungsversuche reagierst. Dann verändert sich meistens auch die verzerrte Wahrnehmung des Bindungsängstlers. Auf einmal wird er dich wieder in dem Licht sehen, in welchem ihr euch kennengelernt habt. Er wird seine Gefühle für dich wieder spüren.
Schritt 2 Arbeite an deinen Themen
Lerne dich in deiner Verlustangst anzunehmen
Der zweite Schritt geht mit dem ersten Schritt einher. Du bist jetzt also in die Distanz gegangen. Nun solltest du diese Distanz auch erstmal eine Weile durchziehen. Viele meiner Klienten haben hier ein großes Problem. Sie schaffen es nicht, dem Bindungsängstler den Raum zu geben. Sie melden sich dann doch wieder ständig bei ihm und suchen die Nähe. Sie halten es nicht aus, ohne den Partner. Sie schaffen es nicht, mit sich selbst zufrieden und glücklich zu sein. Denn wenn sie mit sich alleine sind, fallen sie erstmal auf ihre eigenen Probleme und Themen zurück.
Oft ist es auch eine zwanghafte Suche nach Nähe, welche die Bindungsangst im Partner getriggert hat. Die Bindung kompensiert dann die eigenen emotionalen Wunden. In meiner jahrelangen Tätigkeit als Coach habe ich das immer wieder erlebt. Manche Klienten schafften es kaum, sich einen Tag lang nicht beim Bindungsängstler zu melden.
Verstehe, woher deine Verlustängste kommen
Klammerndes Verhalten und Verlustängste haben ihre Ursache ebenso in der Kindheit. Genauer gesagt in dem Bindungsmuster, das man mit den Eltern hatte. Wenn man als Kind oft vernachlässigt und allein gelassen wird, prägt sich diese Erfahrung unterbewusst ein. Diese Verlusterfahrungen sind extrem belastend und dramatisch für ein Kind. Denn es ist in seiner kompletten Existenz von den Eltern abhängig. Es fühlt eine intuitive Panik davor, in der Welt zurückzulassen zu werden.
Diese Panik fühlt der Verlustängstler viele Jahre später noch, sobald er in eine Beziehung kommt. Immer dann, wenn eine Distanz zum Partner entsteht. Auch wenn man jetzt erwachsen und selbstständig durchs Leben gehen sollte. Das führt dazu, dass man die Nähe zum Partner in einem viel zu hohen Ausmaß sucht. Denn nur in der Nähe kann man sicherstellen, dass man vom Partner geliebt und gewollt wird. Zumindest ist das die Annahme des Verlustängstlers.
Finde ein passendes Therapieangebot!
Es ist wichtig, dass du deine Verlustangst in den Griff bekommst. Dazu kannst du verschiedene Therapieangebote nutzen. Es gibt klassische Therapiemöglichkeiten wie Psychoanalyse, Verhaltenstherapie oder Tiefenpsychologische Behandlung. Daneben findest du eine Menge Möglichkeiten in der alternativen Medizin. Ayahuasca, Meditation und Feldenkrais sind hier nur einige Schlagworte. Was auch immer für dich am besten funktioniert. Auch ich habe auf meiner Website einige Videos zum Thema Verlustangst, welche dir damit weiterhelfen können.
