Bindungsangst – Sexuelle Blockade – löse sie auf!

Einleitung

Worum geht es in diesem Text?

Sexuelle Blockade durch Bindungsangst!

Bindungsängste haben starke Auswirkungen auf den Betroffenen. Sie werden aktiv, sobald eine tiefere Nähe zu einer Person im Raum steht. Dadurch verändert sich die Dynamik zwischen den Partnern drastisch. Ein übliches Symptom ist der Verlust der sexuellen Anziehung. In meiner Tätigkeit als Coach habe ich das immer wieder erlebt. Die Betroffenen wissen sich oft selbst nicht zu helfen. Ein großer Leidensdruck entsteht. In folgendem Text möchte ich dir eine Hilfestellung geben, falls du in einer ähnlichen Siatuoin steckst.

Textgliederung!

Im ersten Abschnitt möchte ich die Ursachen einer sexuellen Blockade durch Bindungsangst erläutern. Ich werde darauf eingehen, wie Ängste unsere Emotionen blockieren können. Das ist wichtig zu verstehen, wenn du es mit Bindungsangst zu tun hast. Im zweiten Abschnitt möchte ich dir praktische Tipps geben, falls dein Partner eine sexuelle Blockade hat. Ich werde darauf eingehen, wie du die Anziehung zwischen euch in 2 Schritten wiederherstellen kannst.

Warum entsteht eine sexuelle Blockade durch Bindungsangst?

Ängste können andere Gefühle blockieren!

Sexuelle Blockade entsteht durch emotionale Blockade

Grundlegend ist es erstmal wichtig zu verstehen, dass die körperliche Anziehung Ausdruck der seelischen Anziehung ist. Wenn zwischen zwei Partnern emotional alles stimmt, tut es das auch meistens auf der sexuellen Ebene. Doch Bindungsangst erzeugt eine emotionale Distanz zum Partner. Hierbei verändert sich das Gefühlsleben des Betroffenen. In meiner Tätigkeit als Coach habe ich viele Klienten mit diesem Problem kennengelernt. Das Sexleben zwischen den Partnern findet dann meistens kaum noch statt.

Wieso blockiert Angst andere Gefühle?

Bindungsangst hat dabei die selben Mechanismen wie alle anderen Ängste auch. Im Körper werden bestimmte Hormone freigesetzt, wie z.B. Adrenalin und Kortisol. Das Nervensystem geht in eine höhere Alarmbereitschaft. Die Wahrnehmung fokussiert sich auf die Erkennung von Gefahren. Der Bindungsängstler fängt plötzlich an, Ängste in seinen Partner hinein zu projizieren. Er/Sie fragt sich obsessiv, ob eine tiefe Bindung mit der Person sicher ist. Er bewertet den Partner äußerlich und innerlich. Makel und Fehler treten plötzlich in den Vordergrund. Der Partner wird plötzlich in einem verzerrten, negativen Licht gesehen.

Bei Bindungsangst erfolgt das alles sehr unterbewusst und subtil. Der Betroffene merkt oft gar nichts von seinem veränderten Zustand. Die Bindungsangst köchelt auf kleiner Flamme vor sich hin und manifestiert sich über längere Zeiträume. Das unterscheidet sich stark von dem Bild, das wir normalerweise von Ängsten kennen. Begegnen wir zum Beispiel einem Tiger in der Wildnis, kommt die Angst schlagartig und ist sofort spürbar. Doch bei Bindungsangst äußert sie sich eher als ständige Sorge und Zweifel über die Bindung zum Partner.

Ängste werden in den Partner hinein projiziert

Meine eigene Erfahrung mit Bindungsängsten!

Ich war selbst einmal Bindungsängstler und kenne diesen Zustand gut. Immer etwa 3-4 nach dem Kennenlernen kam die Bindungsangst in mir hoch. Immer wenn ich an meine Partnerin dachte, spürte ich plötzlich so ein Ziehen in der Brust. Am Anfang war mir gar nicht bewusst, dass es Bindungsangst war. Ich spürte nur das Bedürfnis, mich zurückzuziehen. In endlos langen Gedankenschleifen fand ich Gründe, die gegen eine Beziehung mit der Person sprachen. In diesem Zustand war es mir unmöglich, einen sexuellen Kontakt mit ihr aufzubauen.

Das Beispiel vom Waldspaziergang!

Heute weiß ich, dass die Liebe zu meiner Partnerin durch die Bindungsangst blockiert wurde. Auf einer körperlichen Ebene heißt das: Bindungshormone werden im Körper durch Stresshormone ersetzt. Stell dir zum Beispiel vor, wie du einen friedlichen Spaziergang im Wald genießt. Dein Zustand ist ruhig und deine Wahrnehmung entspannt. Du kannst dich mit den schönen Gefühlen des Daseins befassen. Genauso wie du in einer Partnerschaft eine sexuelle Verbindung mit dem Partner genießen kannst. Doch das geht nur mit Vertrauen und einer offenen Wahrnehmung.

Wenn es hingegen im Wald dunkel wird, steigt eine Unruhe in dir auf. Plötzlich nimmst du deine Umgebung als etwas Bedrohliches wahr. Denn hinter jedem Schatten könnte eine Gefahr lauern. Anstatt deinen Spaziergang zu genießen, wirst du plötzlich ans Überleben denken. Du wirst dich fragen, wie du am schnellsten den Wald verlassen kannst oder eine sichere Unterkunft findest. Ähnlich ist es bei Bindungsangst. Nur dass die Gefahr hier von der Unsicherheit ausgeht, die eine tiefere Bindung mit sich bringen kann.

Wie kannst du die sexuelle Blockade auflösen, die Anziehung wiederherstellen?

Schritt 1 Gehe in die Distanz

Versuche niemals Nähe zu forcieren!

Als aller erstes ist es wichtig, dass du die Distanz zwischen euch erlaubst. Der Bindungsängstler ist jetzt in einem Zustand der Angst. Er fühlt sich bedrängt und versteht seinen Zustand oft selbst kaum. In diesem Zustand ist ein Mensch nicht offen für Nähe und Bindung. Vor allem nicht für eine gesunde sexuelle Interaktion. Diese zu forcieren, macht keinen Sinn. Jetzt braucht es erst einmal Zeit, damit sich die Ängste etwas legen können. Natürlich sollte dieser Zeitraum nicht zu lang sein. Manchmal reicht es, eine Nacht drüber zu schlafen. Manchmal braucht es auch mehrere Tage oder Wochen.

In dieser Zeit ist es wichtig, dass du dich nicht beim Bindungsängstler meldest. Wenn er/sie den Kontakt zu dir trotzdem sucht, solltest du erstmal nicht darauf eingehen. Schreibe nur kurz, dass du Zeit brauchst, um zu reflektieren. Wenn ihr bereits zusammen wohnt, kannst du für eine Zeit woanders übernachten. Nenne einen klaren Zeitpunkt, an dem du dich meldest. Macht am besten einen Zeitpunkt aus, an dem ihr offen miteinander reden wollt.

Mach dir deine Gefühle bewusst!

In der Kontaktpause solltest du nun über eure Situation reflektieren. Denn um später wieder in die Nähe zu gehen, brauchst du Klarheit über deine innere Gefühlswelt. Denn das Ziel ist es, ein offenes Gespräch mit dem Bindungsängstler zu führen. Dabei ist es wichtig, dass du vorher in einen geerdeten Zustand mit dir selbst kommst. Du solltest dir klarmachen, wie du dich mit der Situation fühlst. Mach dir deine eigenen Bedürfnisse nach Nähe in der Beziehung bewusst und schreibe sie auf eine Liste. Mach dir klar, wie es sich für dich anfühlt, dass dein Partner diese Bedürfnisse momentan nicht erfüllt.

Schaue dir deine Verlustängste an!

Wenn du mit einem Bindungsängstler zusammen bist, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du Verlustängste hast. In meiner langjährigen Praxis als Coach ist mir diese Pärchen Dynamik immer wieder begegnet. Dadurch fällt es den Partnern von Bindungsängstlern oft  schwer, eine Distanz zum Partner auszuhalten. In dem Fall solltest du in der Kontaktpause üben, mit dir selbst glücklicher zu sein. Allerdings ohne Perfektionismus. Viel wichtiger ist es, dass du einigermaßen gut mit dir alleine zurechtkommst. Dafür habe ich auf meiner Website eine Menge praktischer Übungen. Schau dir diese an und versuche sie täglich und gewissenhaft umzusetzen.

Schritt 2 – Ein offenes Gespräch führen!

Arbeite mit der richtigen Kommunikation!

Der Bindungsängstler muss seine Gefühle und Ängste mit dir teilen können. Auch die Gefühle der Bindungsangst selbst. Das kann jedoch sehr verletzend sein. Denn der Bindungsängstler kann seine/ihre Liebe für dich momentan nicht fühlen. Deshalb ist es wichtig, mit der richtigen Kommunikation zu arbeiten. Eine Kommunikation, die beiden Partnern erlaubt, verletzlich zu sein. Eine Kommunikation, die Empathie schafft.

Es ist wichtig, dass jeder von euch beiden seine Perspektive zum Ausdruck bringen kann. Das heißt, der Redeanteil im Gespräch sollte ungefähr gleich sein. Das Zuhören und Mitteilen sollte ausbalanciert sein. Jede Art von aggressiver Kommunikation sollte vermieden werden. Wenn ihr euch beschimpft oder anschreit, ist das Kind schon in den Brunnen gefallen. Zudem ist es wichtig, dass ihr nicht mit dem Finger aufeinander zeigt. Redet stattdessen über eure Emotionen aus der Ich-Perspektive. Was haben bestimmte Situationen emotional in euch ausgelöst. Wie habt ihr versucht, mit diesen Emotionen umzugehen?

Sage zum Beispiel nicht: “Du zeigst kein sexuelles Interesse mehr an mir, was soll das?” Das führt nur dazu, dass er/sie sich angegriffen fühlt. Der Partner geht in eine Verteidigerposition. Damit spielst du der Bindungsangst in die Karten. Denn in der Verteidigungsposition kann man keine Empathie und Nähe aufbauen. Sage stattdessen: „Ich fühle mich so einsam, seit wir nicht mehr miteinander schlafen. Es fällt mir sehr schwer, das zu akzeptieren.” Damit schilderst du deine Perspektive verständlich. Dein Gegenüber kann offen bleiben, um deine Gefühle zu verstehen.

Versucht, euch emotional voreinander zu öffnen!

Einer der wichtigsten Faktoren für euer Gespräch ist, dass du ihm/Ihr zuhören kannst. Auch wenn er/sie über seine Bindungsangst berichtet. Denn wenn die Bindungsängste vom Schatten ins Licht kommen, können sie gesehen und validiert werden. Das ist ein unabdingbarer Schritt zur Heilung. Allerdings muss der Bindungsängstler dafür reflektiert genug sein. Wenn man sich die eigene Bindungsangst nicht eingesteht, macht es keinen Sinn. Er/Sie sollte bereit sein, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Offenheit für eine Therapie oder gemeinsame Arbeit an eurer Beziehung ist die Grundvoraussetzung.

Wenn ihr es schafft, euch emotional voreinander zu öffnen, seid ihr einen großen Schritt weiter. Über das Reden könnt ihr euch einer Öffnung annähern. Doch der Ausdruck eines seelischen Schmerzes ist noch viel wichtiger. Dafür gilt immer die Regel, dass Tränen jeglicher Art erlaubt sind. Sobald einer von euch emotional wird, sollte das auf keinen Fall unterdrückt werden. Gebt dem dann unbedingt Raum und reagiert verständnisvoll. Der Partner sollte dann eher in die Rolle des Zuhörers gehen.

Wie die offene Kommunikation meine Bindungsangst heilte!

Ich weiß noch, wie es damals in meiner Beziehung war. Genau wie in allen anderen Begegnungen vorher, kam meine Bindungsangst nach etwa 3-4 Monaten auf. Doch diesmal war es anders. Denn ich konnte offen über das Thema Bindungsangst mit ihr sprechen. Sie hörte mir zu und teilte mir mit, wie verletzt sie sich dadurch fühlte. Doch gleichzeitig validierte sie meine Perspektive. Sie verstand, dass ich im Zustand der Bindungsangst meine Gefühle nicht mehr wahrnehmen konnte. Also begannen wir uns quasi gegenseitig zu therapieren. Beziehungen können dafür ein wunderbares Vehikel sein.

Natürlich lief nicht alles perfekt. Es gab immer wieder Momente, in denen wir in alte Verhaltensmustern zurückfielen. Plötzlich stritten wir uns und drehten uns im Kreis. Die sexuelle Anziehung ließ nach und wir drohten uns voneinander zu distanzieren. Dann nahmen wir immer etwas Abstand und verabredeten uns für ein tiefes, offenes Gespräch. Jedes Mal, wenn wir uns dann voreinander geöffnet hatten, fühlten wir uns tiefer verbunden als jemals zuvor. Mit der Zeit schufen wir dadurch eine immer stärkere Bindung. Eine Bindung, die meine Bindungsangst durch Vertrauen und Sicherheit heilte.